TPPV-Award für Bauwerkintegrierte Photovoltaik: das sind die Gewinner 2020

– Innovative PV-Kraftwerke in der Gebäudehülle gekürt

Zum mittlerweile zweiten Mal hat die Österreichische Technologieplattform Photovoltaik (TPPV) die besten Projekte für Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) mit dem „Innovationsaward für Bauwerkintegrierte Photovoltaik“ prämiert. Eine internationale Jury aus verschiedenen Fachbereichen wählte aus insgesamt 22 Einreichungen die innovativsten und architektonisch anspruchsvollsten Projekte aus. Der BIPV-Award hätte eigentlich am 19. März beim PV Austria Kongress in Anwesenheit von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler vergeben werden sollen. Die Veranstaltung musste aber aufgrund der aktuellen Situation kurzfristig abgesagt werden. Stattdessen wurde nun ein Video produziert, das die Gewinner und deren Projekte vorstellt:

Gebäude sind in erster Linie Energieverbraucher – immerhin benötigen sie etwa 40% des Gesamtenergiebedarfs in Österreich. Aber es geht auch anders: Bauwerke können ebenso essentiell bei der nachhaltigen Energiegewinnung der Zukunft sein – vor allem im Bereich der Solarenergie. Großes Potential steckt vor allem in der Photovoltaik, wenn die Gebäudehülle dafür clever genutzt wird. So können etwa Photovoltaikelemente die Funktion von Fassaden, Dächern, Sonnenschutzeinrichtungen und sogar Fensterscheiben übernehmen; abseits der Gebäude gilt es, Lärmschutzwänden, Parkflächen und anderen Infrastrukturen die zusätzliche Funktion der Stromversorgung zu geben. „Die Möglichkeiten sind vielfältig: Ziel ist es, zukünftig bei jedem Neubau und jeder Renovierung die auf die Gebäudeflächen einfallende Energie zu nutzen und Photovoltaik bereits in frühen Phasen der Planung als Gebäudestandard zu berücksichtigen. Dafür gibt es vielfältige, kreative, innovative und ästhetische Lösungswege, die wir mit dem Award für Bauwerkintegrierte Photovoltaik auszeichnen und vor den Vorhang holen wollen“, betont Hubert Fechner, Obmann der Österreichischen Technologieplattform Photovoltaik (TPPV).

Bereits zum zweiten Mal konnten ArchitektInnen, Bauherren, PlanerInnen, EigentümerInnen und Unternehmen – privat oder gewerblich, industriell oder öffentlich ihre Projekte einreichen. Die Jury bildeten die hochkarätigen Mitglieder Francesco Frontini, SUPSI, (Schweiz), Marcus Rennhofer, AIT Austrian Institute of Technology GmbH (Österreich), Ursula Schneider, POS architekten ZT gmbh, (Österreich), Karl Viridén, Viridén + Partner AG, (Schweiz).

Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie begrüßt die Initiative: „Unser erklärtes Ziel ist es, dass Österreich bis 2030 100 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien bezieht. Die Photovoltaik spielt dabei eine wichtige Rolle. Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, welches Potential dabei gerade im Gebäudesektor liegt und welche Möglichkeiten der Energiegewinnung es zusätzlich zur allseits bekannten Photovoltaik-Anlage auf dem Dach gibt. Genau mit solchen Innovationen wird es uns gelingen im Klimaschutz voranzukommen und die Wirtschaft nach der Corona-Krise anzukurbeln. Das gibt den Menschen in Österreich Sicherheit und eine Zukunftsperspektive.“

Leuchtturmprojekte ebnen den Weg für Energiewandel

„Auch heuer zeichnen sich die eingereichten Projekte wieder durch einen hohen Anspruch an Nachhaltigkeit aus. Besonders wichtig bei der Auswahl waren uns innovative PV-Lösungen gepaart mit architektonisch und ästhetisch ansprechender Gestaltung und Integration in der Gebäudehülle“, fasst Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds zusammen. „Mit Leuchtturmprojekten wie diesen ist der Wandel von einem Gebäude als Stromverbraucher hin zu einem Gebäude als Stromerzeuger vorgezeichnet“, freut sie sich.

Der 2. Innovationsaward für Bauwerkintegrierte Photovoltaik wird vom Klima- und Energiefonds, dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, der ecoplus. Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH sowie den Innsbrucker Kommunalbetrieben unterstützt und von der Österreichischen Technologieplattform Photovoltaik in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Photovoltaic Austria organisiert.

Die internationale Expertenjury

  • Dipl. Architekt FH Karl Viridén – Architekt, Viridén + Partner AG

„Die BIPV ist die Zukunft. Hinterlüftete Fassaden bei Neubauten werden in 10 Jahren mehrheitlich Strom produzieren können.“

  • Dr. Marcus Rennhofer – Senior Scientist am Center for Energy, AIT Austrian Institute of Technology

„Die bauwerksintegrierte Photovoltaik bietet die Chance vor allem im städtischen Bereich „graue“ Flächen für die dezentrale nachhaltige Energieerzeugung zu nutzen. Der BIPV InnovationsAWARD bietet innovativen Lösungen eine Bühne, die sowohl die Anforderungen der Energieerzeugung, die architektonischen Ansprüche als auch die Akzeptanz der Bewohner*innen erfüllen. Die Teilnahme in der Jury ist eine große Ehre für mich und ich bin gespannt auf die innovativen Projekte.“

  • Prof. Francesco Frontini – Head of Building System Sector Swiss BIPV competence Center

“Nachdem die gebäudeintegrierte Photovoltaik für Jahre als Nischenprodukt gesehen wurde, können wir endlich feststellen, wie sie für Architekten und Bauherren eine immer interessantere Option wird und wie neue und flexiblere Produkte auf den internationalen Markt kommen. Anlässe wie die österreichische BIPV InnovationsAWARD sind fundamental für die Verbreitung des Wissens von Architekten über diese Produkte. Die Teilnahme in der Jury ist eine große Ehre für mich und eine einmalige Chance zu verstehen, wie diese Technologie als architektonische Innovation verstanden und entwickelt wird.”

  • Arch. DI Ursula Schneider – POS architekten ZT gmbh

„Die erneuerbare Zukunft Österreichs ist auf einen signifikanten Anteil aus Strom aus PV angewiesen. Wenn wir mit diesen nicht unser kostbarstes Gut, nämlich das Land verstellen wollen, dann muss die PV auf den Gebäuden Platz finden. Als Architektin sehe ich das wichtigste Anliegen der Architektinnen darin, diese PV Flächen zu einem selbstverständlichen, gestalterisch integrierten Teil der Gebäudehülle zu machen.“

Bewertungskriterien

Architektonische Qualität

  • Ästhetische Qualität der Umsetzung
  • Gestalterische Quali­tät der eingesetzten PV-Module
  • Konstruktives Gesamt­konzept
  • Verhältnis Hüllfläche zu Energieerntefläche
  • Mehrfachnutzen

Energetisches Gesamtkonzept des Bauwerks

  • Integration von PV in ein energetisches Gesamtkonzept
  • Einsatz von Energiema­nagementsystemen
  • Nutzerfreundlichkeit
  • Anlagengröße in Rela­tion zum Nutzen

Umweltverträglichkeit

Zum Beispiel:

  • Verfügbarkeit einer Lebenszyklus-Analyse des gesamten Energie­systems
  • Ausführungen zum Recycling
  • Darstellungen zur grauen Energie und der Materialeffizienz der Unterkonstruktion

Kosteneffizienz

  • Wirtschaftliches Ge­samtkonzept
  • Aufstellung der Mehr­kosten im Vergleich zum Nutzen der Anlage
  • Überzeugende Dar­stellung von positiven Effekten der PV auf die laufenden Kosten des Gebäudes

Kommunikation

  • Kommunikationsstra­tegie mit den Bewoh­ner/-innen bzw. zur (Fach-)Öffentlichkeit

Das sind die Gewinner des 2. Innovationsaward für BIPV

Fünf der 22 eingereichten Projekte wurden als „Nominierte“ ausgewählt, drei davon wurden mit dem Innovationsaward ausgezeichnet:

Betriebsgebäude Windkraft Simonsfeld AG, Ernstbrunn / Niederösterreich
Einreicher: Architekturbüro Reinberg ZT GmbH
Architekt: Georg W. Reinberg, Architekturbüro Reinberg ZT GmbH
Beim Betriebsgebäude der Windkraft Simonsfeld AG handelt es sich um ein Plus-Energie-Gebäude, das nicht nur den Heiz- und Kühlbedarf sondern den gesamten Energiebedarf inkl. Mobilität abdeckt. Der Einsatz der Photovoltaik hat zwei Nutzen: Neben der Stromerzeugung wird auch eine Verschattung für passive Kühlung ermöglicht. Damit ist eine nach Süden hin große Glasfassade mit einem dahinter befindlichen nutzbaren Aufenthaltsbereich möglich, von dem man einen Blick ins Freie hat. Trotzdem benötigt das Gebäude wenig Energie. Die Jury lobte vor allem „die sehr umfassende Betrachtungsweise inkl. der gewählten Baumaterialien und den Blick auf den gesamten Lebenszyklus, was auch den späteren Rückbau umfasst. Zudem wurden Naturmaterialen mit geringem CO2-Potential eingesetzt.“

WK Simonsfeld Ernstbrunn-Architekt Georg W. Reinberg (c) Architekturbüro Reinberg ZT GmbH
WK Simonsfeld Ernstbrunn-Architekt Georg W. Reinberg (c) WK Simonsfeld

Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft, Zürich / Schweiz
Einreicher: Kioto Solar / KIOTO Photovoltaics GmbH
Architekten: Rene Schmid Architekten AG
Das Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft in Zürich-Leimbach zeigt eine wegweisende Lösung für die zukünftige Energieversorgung. Mit Photovoltaikmodulen auf Dach und Fassade als hocheffiziente und ganzjährige Stromerzeuger, e-Gas/Biogas als Energieträger, dem Erdgasnetz als Speicher, der Power-to-Gas-Technologie sowie der neuen Hybridbox als Herzstück kann das Haus sogar im Winter Strom ins Netz abgeben. Das war bis jetzt undenkbar für ein Photovoltaikhaus. Die PV-Module sind zwar Standard-Module aber wie einzelne Hautschuppen angeordnet und mit neutralen Farben bzw. Drucken ansprechend gestaltet. „Das ist wichtig für die Akzeptanz der Technologie im städtischen Bereich“, erklärt die Jury.

Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft – ein Projekt der Umwelt Arena Schweiz in Zusammenarbeit m. René Schmid Architekten AG (c) Beat Bühler
Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft – ein Projekt der Umwelt Arena Schweiz in Zusammenarbeit m. René Schmid Architekten AG (c) Beat Bühler

MPREIS Tiefkühlhalle, Völs / Tirol
Einreicher: MPREIS Warenvertriebs GmbH
Architekt: Seelos Architekten ZT GmbH
Seit der Inbetriebnahme der ersten Photovoltaikanlage bei MPREIS im Jahr 2006 ist die Energiequelle Solarstrom ein fester Bestandteil des nachhaltigen Energiebereitstellungskonzeptes des Unternehmens. Aufgrund produktionstechnischer Erfordernisse wurde im Jahr 2017 die Kapazität des Tiefkühllagers erweitert. Im Zuge dieser Erweiterung wurde die auf diesem Gebäude installierte Photovoltaikanlage ausgebaut, wobei ein großer Teil in die Fassade integriert wurden. Damit entstand eine aktive Photovoltaikfläche von insgesamt 1.475m² in den verschiedenen Fassadeflächen. Das Projekt Tiefkühlhalle MPREIS zählt damit zu den größten Fassaden-PV-Systemen Österreichs. „Es ist die ideale Überlappung von energetischem Bedarf (Kühlung) und photovoltaischer Energiebreitstellung“, kommentiert die Jury.

Tiefkühlhalle MPREIS – © IE Group mit seelos architekten ZT gmbH
Tiefkühlhalle MPREIS – © IE Group mit seelos architekten ZT gmbH

Weitere Nominierte – von insgesamt 22 Einreichungen

SONNENPARKPLUS Wetzikon – ein Gebäude für die nächste Generation, Wetzikon / Schweiz
Einreicher: ertex solartechnik GmbH
Architekten:  Arento AG
Beim Mehrfamilienhaus SonnenparkPLUS in Wetzikon in der Schweiz wurden neben anderen Energiesparmaßnahmen zwei Photovoltaikanlagen verbaut, um es so energieeffizient wie möglich zu gestalten. Durch die Integration der Solarstrommodule in die Gebäudehülle und auf dem Dach kann mehr Energie gewonnen werden, als von den BewohnerInnen über ein Jahr betrachtet benötigt wird. Das Mehrfamilienhaus bildet einen kompakten Körper, südseitig mit Photovoltaik-Elementen und nordseitig mit einer vorvergrauten Holzschalung. Die Jury lobt hier vor allem, „dass ein hochwertiges Material- und Energiegesamtkonzept verfolgt wurde. Es wurden Lehm, Holz und rezyklierte Rohstoffe eingesetzt. Der Eigenverbrauchsanteil ist mit 60% markant hoch.“

SonnenparkPLUS Wetzikon-arento ag Architekturbüro © ertex solar
SonnenparkPLUS Wetzikon-arento ag Architekturbüro© Aragorn Frey – arento.ch

Bürogebäude des „Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungen“, Wien
Einreicher: Schöberl & Pöll GmbH
Architekten: Chaix & Morel et Associés atelier d’architecture (Paris) und Christian Anton Pichler ZT GmbH (Wien)
Bei diesem Projekt handelt es sich um die Generalsanierung des in den 1970er Jahren errichteten Büro- und Verwaltungsgebäudes des „Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungen“ sowie um die Errichtung von Zubauten (insbesondere Konferenzsaal und Restaurant). Das Hochhaus erhielt eine neue Fassade, die als zeitgemäße Gebäudehülle entwickelt wurde und die unterschiedlichen Gebäudevolumen strukturiert, animiert und als Ensemble wirkt. Die Dachfläche wird als „fünfte“ Fassade betrachtet und wertet das Bauwerk optisch-ästhetisch auf. Die Fassade wurde auf Basis der Anforderungen aus dem Passivhausstandard mit sehr guten thermischen Eigenschaften konzipiert. „Sie erfüllt damit die Energiebauvorschriften der kommenden Jahre“, ergänzt die Jury.

Kundmanngasse_Haupgebäude_Zubau_Arch. Chaix & Morel et associés mit Arch. DI Christian Pichler (c) SchöberlundPöll
Kundmanngasse_PV-Anlage_Zubau_Arch. Chaix & Morel et associés mit Arch. DI Christian Pichler (c) SchöberlundPöll

Bild- & Videomaterial

  • WK Simonsfeld Ernstbrunn, Arch. Georg W. Reinberg © Windkraft Simonsfeld
  • Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft – ein Projekt der Umwelt Arena Schweiz in Zusammenarbeit mit René Schmid Architekten AG © Beat Bühler
  • Tiefkühlhalle MPREIS © IE Group mit seelos architekten ZT gmbH
  • SonnenparkPLUS Wetzikon © Aragorn Frey, arento.ch
  • Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungen, Kundmanngasse Haupgebäude Zubau, Arch. Chaix & Morel et associés mit Arch. DI Christian Pichler © Schöberl & Pöll

Das Video über die Gewinner des Innovationsawards für Bauwerkintegrierte Photovoltaik finden Sie unter: https://youtu.be/WfxgVEbD13s

Über die Österreichische Technologieplattform Photovoltaik

Der Verein Österreichische Technologieplattform Photovoltaik wurde im Mai 2008 als gemeinsame Initiative der in Österreich produzierenden Betriebe im Bereich der Photovoltaik sowie den relevanten österreichischen Forschungseinrichtungen gegründet. Innovation und Forschung für die heimische Photovoltaik-Wirtschaft sollen optimiert werden, um eine Vergrößerung der österreichischen Wertschöpfungsanteile am globalen Photovoltaikmarkt zu erreichen. Die Plattform zählt aktuell 23 Mitglieder aus den Bereichen Industrie, Forschung und Interessenvertretungen. http://tppv.at/

Weiterführende Informationen rund um den Award finden Sie ebenfalls auf der Webseite www.pvaustria.at/bipv-award.

Rückfragen & Kontakt

DI Hubert Fechner
Obmann der Österreichischen Technologieplattform Photovoltaik (TPPV).
Mail: h.fechner@tppv.at

Veranstalter

Technologieplattform Photovoltaik Österreich (TPPV)
Obmann FH-Prof. DI Hubert Fechner
h.fechner@tppv.at

Organisation / Einreichung

Photovoltaic Austria im Namen der TPPV
Julia Stockklausner, office@pvaustria.at
Tel. +43 1 522 35 81

Pressemeldung

Mit freundlicher Unterstützung von

Klima- und Energiefonds
Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK)
ecoplus. Die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich
Innsbrucker Kommunalbetriebe Aktiengesellschaft (IKB)