Österreichische Technologieplattform Photovoltaik
Motivation
Der erwartete Anstieg des Strombedarfs durch die zunehmende Elektrifizierung aller Sektoren bedingt auch
die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlichen Flächen, welche jedoch große
Konfliktpotentiale aufweisen. Eine sinnvolles Nutzungskonzept von Photovoltaikanlagen in der
landwirtschaftlichen Kulturlandschaft stellt die gleichzeitige Nutzung bzw. Doppelnutzung für
landwirtschaftliche Zwecke und Stromerzeugung über „Agri-Photovoltaik“ (Agri-PV) dar. APV-Lösungen sind
daher international stark zunehmend. So vielfältig die Unterschiede innerhalb der internationalen und auch
der österreichischen Landwirtschaft sind, so vielfältig sind auch die APV-Varianten.
Daher ist APV in flächenstarken Ländern, wie z. B. Polen oder Frankreich, gänzlich anders als APV bei
einem kleinstrukturierten Bergbauernbetrieb. Diese Erkenntnis hat große Auswirkungen auf das technische
und wirtschaftliche Potential sowie die Skalierbarkeit von APV. Hinzukommen zahlreiche emotionale oder
ideologische Diskussionen, Vorurteile und Einstellungen zumal Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen
Flächen zahlreiche Konfliktpotentiale bergen.
Aufgrund dessen werden PV-Großanlagen auf landw. Flächen in Österreich sehr schleppend genehmigt. So
wurde in den letzten Jahren lediglich ein Bruchteils des Budgets für die EAG-Marktprämie (auf größere
Anlagen und direkte Vermarktung ausgelegt) ausgeschöpft.
Auch wenn APV ein sinnvolles Nutzungskonzept für Groß-PV-Anlagen auf landw. Flächen darstellt, gibt es
aufgrund der zahlreichen Erfahrungen des Projektteams bei der APV (bei der Projektentwicklung, aber auch
im Rahmen der Begleitung des Programmes „Leuchtturmprojekte Photovoltaik in Österreich“) sehr große
Qualitätsunterschiede (z. B. Auslegung, Erträge, Kosten und ökologischer Mehrwert etc.). APV ist also nicht
APV und die Varianten äußerst divers. APV auf z. B. Geflügelweiden ist gänzlich anders als bei Obst- od.
Ackerflächen, weshalb es viele Best-, aber auch viele Worst-Practice-Beispiele gibt.
Damit APV das große Potential für Österreich entfalten kann, besteht die dringende Notwendigkeit, diese
sehr unterschiedlichen und vielfältigen APV-Lösungen aus dem österreichischen Blickwinkel der
kleinstrukturierten, überwiegend familiär geführten Landwirtschaft mit hohem Zusatznutzen für die
Allgemeinheit (z. B. Tourismus und Erholung) faktenbasiert und rationell zu erforschen. Dazu soll die Erarbeitung eines Qualitätsmanagementsystem (QMS) dienen, damit eine wissenschaftliche, objektive und
umfassende Analyse und ein Vergleich verschiedener APV-Systeme in AT durchgeführt werden kann und so
eine Orientierungshilfe bzw. Referenz für die Auswahl, Planung, Gestaltung, den Bau und auch den Betrieb
von Agrar-Photovoltaikanlagen zu bieten. Gleichzeitig soll das angedachte QMS zur Konfliktlösung
beitragen.
Ziele
Das übergeordnete Projektziel besteht daher darin, die Qualität und das Potenzial von APV in einem
zukünftigen österreichischen Energiesystem zur Förderung von Skalierungseffekten zu steigern, indem
Qualitätsstandards
• für bestehende APV-Projekte (als Diagnosewerkzeug) aber auch
• für neue APV-Projekte (als Planungswerkzeug; z. B. Bewertung der Sinnhaftigkeit von Acker-APV in
einer bestimmten Klimazone)
erforscht werden.
APV soll mit Hilfe des Projektes in Österreich wesentlich wettbewerbsfähiger gemacht werden, indem durch
die Einführung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses die Kapitalrendite (ROI; aktuell ca. 10
Jahre).) sowie die Effizienz von APV durch das Vorhaben auf ein konkurrenzfähiges Niveau zu
herkömmlichen PV-(Freiflächen)anlagen gebracht wird.
Weiters sollen dabei die jeweils Top 3 APV-Anwendungen für die 5 relevantesten landwirtschaftlichen
Klimazonen bzw. Produktionsgebiete in Österreich (lt. „Bericht über die Situation der österreichischen
Land- und Forstwirtschaft“ bzw. auch grüner Bericht genannt; jedoch ohne Aquakulturen) herausgearbeitet
werden.
Auch soll durch das Projekt eine Grundlage für zukünftige legislative und Subventionsmechanismen
geschaffen werden (z. B. für Flächenwidmungen, Raumplanung oder zukünftige Förderinstrumente).